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On-Premises-Software: Was sie ist und wann sie noch passt

· 11 Min. Lesezeit · Markus Tozman

On-Premises heißt: Software läuft auf eigenen Servern im eigenen Haus. Mit Zuständigkeiten je Betriebsmodell, den Enddaten der großen Hersteller und sechs Prüffragen für Ihre Entscheidung.

ON-PREMISES Software im eigenen Haus Sie betreiben jede Schicht selbst. BÜRO SERVERRAUM PRODUKTION CLOUD

On-Premises-Software ist Software, die ein Unternehmen auf eigener Hardware in den eigenen Räumen installiert und selbst betreibt. Das Gegenmodell ist die Cloud: Dort stellt ein Anbieter Server, Betrieb und oft auch die Anwendung bereit. Verschwunden ist On-Premises nicht. Deutsche Unternehmen betreiben laut Bitkom im Schnitt nur 47 Prozent ihrer IT-Anwendungen aus der Cloud. Doch große Hersteller setzen Enddaten: Atlassian stellt die meisten seiner lokalen Data-Center-Produkte 2029 ab, SAP beendet die Standardwartung für ECC Ende 2027. Dieser Vergleich zeigt, wer in welchem Modell wofür zuständig ist, welche Fristen anstehen und wann On-Premises noch die bessere Wahl ist.

Was ist On-Premises-Software?

On-Premises heißt wörtlich „auf dem Gelände“: Die Software läuft auf Servern, die im eigenen Gebäude stehen und dem Unternehmen gehören. Das englische „premises“ bezeichnet ein Grundstück mit den Gebäuden darauf (Merriam-Webster). Die verbreitete Schreibweise „On-Premise“ ist streng genommen ungenau, denn „premise“ in der Einzahl bedeutet Prämisse, also Annahme. Im Alltag sind beide Formen üblich, dazu die Kurzform „On-Prem“.

Typische Beispiele im Mittelstand sind die Warenwirtschaft auf dem Server im Keller, der eigene Mailserver, der Dateiserver mit den Projektordnern und die Maschinensteuerung in der Produktion. Allen gemeinsam ist: Das Unternehmen erwirbt die Lizenz, installiert die Software selbst und kümmert sich um Hardware, Updates und Sicherungen.

On-Premises beschreibt den Ort des Betriebs, nicht das Lizenzmodell. Früher gehörte zu lokaler Software fast immer eine Kauflizenz. Das ändert sich gerade. Für seinen Exchange Server nennt Microsoft in den Produktbedingungen nur noch „Subscription licenses or licenses with active Software Assurance only“, also Abo-Lizenzen oder Lizenzen mit laufendem Wartungsvertrag (Microsoft). Wer On-Premises wählt, um laufende Kosten zu vermeiden, sollte die Lizenzbedingungen deshalb vorher genau lesen.

On-Premises, IaaS, PaaS, SaaS: Wer wofür zuständig ist

Die Betriebsmodelle unterscheiden sich darin, welche Schichten Sie selbst verantworten. Bei On-Premises sind es alle, vom Serverraum bis zum Benutzerkonto. Microsoft beschreibt das in seinem Modell der gemeinsamen Verantwortung so: „In einem lokalen Rechenzentrum sind Sie für den gesamten Stapel zuständig.“ Mit jedem Schritt in Richtung Cloud gehen Schichten an den Anbieter über (Microsoft Learn).

Matrix mit sechs Zuständigkeiten in vier Betriebsmodellen. Daten, Konten und Zugriffe liegen in allen vier Modellen beim Kunden. Anwendung und Netzwerk-Einstellungen liegen bei On-Premises und IaaS beim Kunden, bei PaaS geteilt, bei SaaS geteilt beziehungsweise beim Anbieter. Betriebssystem liegt bei PaaS und SaaS beim Anbieter. Server, Netz und Rechenzentrum liegen nur bei On-Premises beim Kunden.
Wer in welchem Betriebsmodell zuständig ist · Quelle: Microsoft Learn, Modell der gemeinsamen Verantwortung, vereinfacht

Die drei Cloud-Dienstmodelle hat das US-Normeninstitut NIST definiert (NIST SP 800-145):

  • IaaS (Infrastructure as a Service): Sie mieten Rechenleistung, Speicher und Netz und installieren Betriebssystem und Anwendungen selbst.
  • PaaS (Platform as a Service): Sie bringen eine eigene Anwendung auf eine fertige Plattform. Server und Betriebssystem verwaltet der Anbieter.
  • SaaS (Software as a Service): Sie nutzen eine fertige Anwendung im Browser oder per App, etwa ein Cloud-ERP.

Eine Zeile bleibt in jedem Modell gleich. Microsoft formuliert sie so: „Für alle Cloudbereitstellungstypen besitzen Sie Ihre Daten und Identitäten.“ Wer in die Cloud geht, gibt den Serverbetrieb ab, nicht die Verantwortung für Berechtigungen, Passwörter und die Frage, wer was sehen darf.

Zwei Begriffe verwischen die Grenze. Eine Private Cloud ist nach NIST eine Cloud-Infrastruktur für eine einzige Organisation, und sie „may exist on or off premises“. Sie kann also im eigenen Haus stehen. Verbreitet ist sie auch: Im Bitkom Cloud Report 2026 liegt die Private Cloud mit 64 Prozent vor der Public Cloud mit 53 Prozent. Hosting heißt dagegen: Ihre Software läuft auf gemieteten Servern in einem fremden Rechenzentrum. Das ist kein On-Premises mehr. Cloud im Sinne von NIST ist es aber erst, wenn unter anderem Kapazität selbst und kurzfristig abrufbar ist.

Wie verbreitet On-Premises noch ist

Die Cloud ist in der Mehrheit der Unternehmen angekommen, aber längst nicht bei allen Anwendungen. Laut Statistischem Bundesamt nutzten 2025 54 Prozent der Unternehmen ab 10 Beschäftigten kostenpflichtige Cloud-Dienste. Bei Großunternehmen waren es 86 Prozent, bei kleinen Unternehmen mit 10 bis 49 Beschäftigten 51 Prozent (Destatis). Knapp die Hälfte der kleinen Unternehmen bezahlt also keinen einzigen Cloud-Dienst.

Wer die Cloud nutzt, nutzt sie vor allem für Standardaufgaben: 76 Prozent für E-Mails, 71 Prozent zum Speichern von Daten, 68 Prozent für Office-Programme. ERP- und CRM-Software beziehen dagegen nur jeweils 23 Prozent dieser Unternehmen aus der Cloud (Destatis, Tabelle). Das spricht dafür, dass Kernsysteme für Aufträge, Lager und Buchhaltung häufig noch lokal oder beim IT-Dienstleister laufen.

Der Digitalverband Bitkom zeichnet ein ähnliches Bild. In seinem Cloud Report 2026 nutzen 86 Prozent der Unternehmen ab 20 Beschäftigten Cloud-Dienste. Trotzdem werden „mit 47 Prozent nur knapp die Hälfte aller IT-Anwendungen aus der Cloud betrieben“, in fünf Jahren sollen es 58 Prozent sein (Bitkom). Der Verband folgert selbst: „Dennoch werden Clouds die IT-Landschaft nicht komplett dominieren.“

Die beiden Quellen widersprechen sich nicht. Destatis zählt nur bezahlte Dienste und Unternehmen ab 10 Beschäftigten, Bitkom jede Cloud-Nutzung ab 20 Beschäftigten. Zusammen ergeben sie: Fast jedes größere Unternehmen nutzt die Cloud, aber fast jedes betreibt daneben weiter eigene Systeme.

Wohin die Hersteller lenken: die Zeitachse bis 2030

Die größte Veränderung kommt nicht von den Anwendern, sondern von den Herstellern. Mehrere große Anbieter beenden ihre lokalen Produkte oder bauen sie zum Abo um. Wer heute Server für eine lokale Software kauft, sollte deshalb zuerst klären, wie lange es diese Software lokal noch gibt.

Zeitachse von 2024 bis 2030 in vier Zeilen. Atlassian: Server-Support endet am 15.02.2024, Data Center ab 30.03.2026 nicht mehr für Neukunden, Erweiterungen bis 30.03.2028, Lebensende am 28.03.2029. Microsoft Exchange: Exchange Server SE seit 01.07.2025 nur mit Abo oder Software Assurance, Exchange 2016 und 2019 ohne Support seit 14.10.2025. SAP ECC: Standardwartung endet am 31.12.2027, Verlängerung gegen Aufpreis bis 31.12.2030. EU Data Act: ab 12.01.2027 keine Wechselentgelte beim Cloud-Wechsel. Eine Markierung zeigt den Stand Oktober 2026.
Enddaten und Umstellungen lokaler Produkte · Quellen: Atlassian, Microsoft, SAP, Verordnung (EU) 2023/2854, Stand Oktober 2026

Atlassian (Jira, Confluence) hat den Support für seine Server-Produkte am 15. Februar 2024 beendet (Atlassian). Die Nachfolger für den Eigenbetrieb, die Data-Center-Produkte, laufen ebenfalls aus. Seit dem 30. März 2026 können Neukunden keine Data-Center-Abos mehr kaufen, Erweiterungen bestehender Abos enden am 30. März 2028. Am 28. März 2029 ist Schluss, danach lässt sich eine Instanz nur noch lesen (Atlassian). Ausgenommen sind Bitbucket und Bamboo. Als Grund nennt Atlassian, dass 99 Prozent seiner Kunden in der Cloud oder auf dem Weg dorthin seien.

SAP hat bereits 2020 angekündigt, die Standardwartung für die Kernanwendungen der SAP Business Suite 7 Ende 2027 zu beenden. Dazu gehört auch das verbreitete ERP-System ECC. Danach gibt es bis Ende 2030 eine optionale Verlängerung, „with a premium of two percentage points on the existing maintenance basis“, also gegen Aufpreis (SAP). Für den Nachfolger S/4HANA sagt SAP Wartung bis Ende 2040 zu.

Microsoft geht beim Exchange Server einen anderen Weg. Die Subscription Edition (SE) ist seit dem 1. Juli 2025 verfügbar und folgt der modernen Lebenszyklus-Richtlinie. Ein festes Supportende gibt es nicht mehr, solange die Installation aktuell gehalten wird (Microsoft). Die Vorgänger Exchange Server 2016 und 2019 bekommen seit dem 14. Oktober 2025 keine Updates mehr (Microsoft Lifecycle). Lokaler Betrieb bleibt hier möglich, aber nur als Dauerbetrieb mit laufendem Vertrag.

Das Muster dahinter: Lokale Software verschwindet nicht überall, aber sie wird an Abos gebunden, verteuert oder eingestellt. Fragen Sie deshalb jeden Hersteller schriftlich, wie lange er die lokale Version anbietet und zu welchen Bedingungen. Wann Datenbank und Betriebssystem darunter ihr Supportende erreichen, zeigt die Zeitachse in unserem Ratgeber zu Legacy-Software.

On-Premises oder Cloud: der Vergleich in acht Punkten

Keiner der beiden Wege ist grundsätzlich besser. Mit Cloud ist in der Tabelle vor allem SaaS gemeint, also eine fertige Anwendung vom Anbieter.

Kriterium On-Premises Cloud (SaaS)
Kosten Investition in Server und Lizenzen, danach Wartung, Strom, Personal laufende Gebühr je Nutzer oder Verbrauch, kaum Anfangsinvestition
Kontrolle Sie bestimmen Standort, Datenhaltung und Zeitpunkt von Updates der Anbieter bestimmt Funktionen und Updates im Rahmen des Vertrags
Sicherheit Sie spielen alle Updates selbst ein und überwachen die Server der Anbieter sichert die Plattform, Sie verwalten Konten und Rechte
Skalierung mehr Leistung heißt neue Hardware beschaffen und einrichten mehr Nutzer oder Leistung meist auf Knopfdruck
Ohne Internet läuft weiter, wichtig für Produktion und abgelegene Standorte ohne Verbindung kein Zugriff
Personal Leute, die Server betreiben und Daten wiederherstellen können weniger Technik, mehr Vertrags- und Rechteverwaltung
Anpassung tief anpassbar, direkte Anbindung an Maschinen im eigenen Netz so weit, wie der Anbieter Schnittstellen und Einstellungen zulässt
Ausstieg Daten liegen im Haus, die Software selbst kann auslaufen Abhängigkeit vom Anbieter, ab 12.01.2027 ohne Wechselentgelte

Zwei Punkte werden oft unterschätzt. Der erste ist die Abhängigkeit in der Cloud. 59 Prozent der von Bitkom befragten Unternehmen nennen Lock-in-Effekte, „also etwa schwierige Datenexporte oder -migration“, als größtes Hindernis beim Anbieterwechsel. Der zweite sind die verdeckten Kosten des Eigenbetriebs: Strom, Kühlung, Sicherungen, Ersatzhardware und vor allem die Arbeitszeit für Updates. Rechnen Sie On-Premises deshalb über die volle Lebensdauer der Hardware, nicht nur mit dem Lizenzpreis.

Wann On-Premises die bessere Wahl ist: sechs Prüffragen

Mit sechs Fragen ordnen Sie jede Anwendung einzeln ein, nicht die IT als Ganzes. Die Fragen sind Faustregeln, keine Norm.

  1. Muss die Anwendung ohne Internet weiterlaufen? Maschinensteuerung, Lagerlogistik oder Kassen an Standorten mit unsicherer Anbindung gehören dazu. Wenn ein Leitungsausfall den Betrieb stoppt, spricht das für On-Premises.
  2. Verlangt ein Vertrag, dass Daten im Haus bleiben? Manche Kundenverträge schreiben den Ort der Datenhaltung vor, etwa bei Entwicklungsaufträgen mit Geheimhaltung. Die DSGVO selbst verbietet die Cloud nicht. Steht es im Vertrag, spricht das für On-Premises oder eine Private Cloud.
  3. Ist die Last über Jahre gleichmäßig? Bei stabiler Nutzerzahl und Datenmenge rechnet sich eigene Hardware eher. Schwankt die Last stark, etwa im Saisongeschäft, liegt die Cloud vorn, weil Sie nur zahlen, was Sie nutzen.
  4. Haben Sie mindestens zwei Personen für den Betrieb? Gemeint sind Menschen, die Updates einspielen, Störungen beheben und Daten aus der Sicherung zurückholen. Fehlen sie, spricht das gegen On-Premises.
  5. Gibt es die Software lokal noch mindestens fünf Jahre? Hat der Hersteller ein Ende angekündigt, investieren Sie in eine auslaufende Plattform. Das spricht gegen On-Premises.
  6. Braucht die Anwendung direkten Zugriff auf Systeme im eigenen Netz? Maschinen, Messgeräte oder ein älteres ERP sind von einer lokalen Anwendung aus leichter erreichbar. Das spricht für On-Premises oder ein hybrides Modell.

So werten Sie aus. Ein Nein bei Frage 4 oder 5 schließt den lokalen Betrieb praktisch aus, egal wie die übrigen Antworten ausfallen. Ohne Betriebspersonal oder Herstellerzusage ist On-Premises ein Risiko. Ein Ja bei Frage 1 oder 2 heißt: Mindestens dieser Teil bleibt lokal. Bei den übrigen Anwendungen entscheiden die Kosten über die Lebensdauer (Frage 3) und der Aufwand für Schnittstellen (Frage 6).

Häufig kommt dabei ein hybrides Modell heraus: Maschinennahes und Vertrauliches lokal, Standardaufgaben wie Mail und Office in der Cloud. Das ist in Deutschland schon verbreitet. Im Bitkom Cloud Report geben 28 Prozent an, ihre bestehende IT-Infrastruktur lediglich um Cloud-Anwendungen zu ergänzen.

Datenschutz: was DSGVO, CLOUD Act und Data Act verlangen

Die DSGVO verbietet die Cloud nicht. Sie verlangt, dass Sie nur mit Dienstleistern arbeiten, „die hinreichend Garantien dafür bieten“, dass die Verarbeitung den Anforderungen der Verordnung entspricht. Grundlage ist ein Vertrag zur Auftragsverarbeitung (Art. 28 DSGVO). On-Premises erspart Ihnen diesen Vertrag, nicht aber die Schutzmaßnahmen nach dem Stand der Technik aus Art. 32.

Heikler ist die Herkunft des Anbieters. Der US CLOUD Act verpflichtet Anbieter, die US-Recht unterliegen, Daten auf Anordnung herauszugeben, „regardless of whether such communication, record, or other information is located within or outside of the United States“ (18 U.S.C. § 2713). Ein Rechenzentrum in Frankfurt schützt also nicht automatisch vor diesem Zugriff. Das erklärt einen Trend aus dem Bitkom Cloud Report: 37 Prozent der Unternehmen wären inzwischen bereit, Abstriche für eine Cloud hinzunehmen, die Daten nur in Deutschland verarbeitet und vor ausländischem Zugriff schützt. Ein Jahr zuvor waren es 27 Prozent.

Für den Ausstieg aus der Cloud gibt es neue Regeln. Ab dem 12. Januar 2027 dürfen Anbieter „für den Vollzug des Anbieterwechsels keine Wechselentgelte mehr erheben“ (Art. 29 Data Act). Das senkt eine Hürde, ersetzt aber nicht die Prüfung, ob sich Ihre Daten vollständig und in einem offenen Format exportieren lassen.

Das ist eine allgemeine Einordnung und keine Rechtsberatung. Den Einzelfall klären Sie mit Ihrem Datenschutzbeauftragten oder einer Fachkanzlei.

Was das für eigene Software heißt

Bei Standardsoftware entscheidet am Ende der Hersteller, welche Betriebsmodelle es gibt. Bei einer Eigenentwicklung entscheiden Sie selbst. Sie kann auf Ihrem Server laufen, beim Hosting-Anbieter oder in der Cloud, und sie kann später umziehen, wenn sie dafür gebaut ist. Wann sich eine Eigenentwicklung lohnt, zeigt unser Ratgeber zur individuellen Softwareentwicklung.

Oft ist die eigentliche Baustelle nicht der Standort, sondern die Zersplitterung. Unsere Fallstudie zur Asset-Management-Plattform beginnt mit einer typischen Lage: verschiedene Tools, manuell gepflegte Excel-Listen, verstreute Objektunterlagen und Reports aus mehreren Datenquellen. Die Plattform führt Immobilien-, Vertrags- und Mieterdaten an einem zentralen Ort zusammen, Reports entstehen aus einer einheitlichen Datenbasis. Wo diese Datenbasis läuft, ist danach eine Betriebsfrage, die Sie mit den sechs Prüffragen beantworten.

Bei KI-Anwendungen wiegt die Frage schwerer, weil Sprachmodelle viel Rechenleistung brauchen. Wo die Kosten bei KI tatsächlich anfallen, zeigt unser Grundlagenartikel KI im Mittelstand.

Grenzen und Risiken

Cloud-Ausfälle treffen viele gleichzeitig. Fällt ein großer Anbieter aus, stehen alle seine Kunden still, und Sie können nur warten. Prüfen Sie, was der Vertrag an Verfügbarkeit zusagt und was im Ausfall gilt.

Lokale Server veralten leise. Ein Server, der läuft, fällt niemandem auf. Ohne festen Plan für Updates und Erneuerung wird aus On-Premises die nächste Legacy-Software.

Hybrid heißt doppelte Pflege. Wer lokal und in der Cloud arbeitet, braucht Schnittstellen, zwei Rechtekonzepte und zwei Sicherungswege. Halten Sie die Zahl der Systeme klein.

Herstellerzusagen ändern sich. Die Zeitachse gilt Stand Oktober 2026. Atlassian zeigt, wie schnell sich das ändern kann: Data Center war der Weg für den Eigenbetrieb nach dem Server-Ende, jetzt läuft auch dieses Angebot aus.

Nächster Schritt: Ihre Anwendungen in einer Liste einordnen

  1. Anwendungen auflisten. Jede Software mit ihrem Standort: eigener Server, Hosting oder Cloud.
  2. Herstellerzusagen einholen. Für jede lokale Software: Wie lange gibt es sie lokal, zu welchen Lizenzbedingungen?
  3. Die sechs Prüffragen beantworten. Gemeinsam mit den Menschen, die täglich damit arbeiten und die Server betreuen.
  4. Den Ausstieg testen. Für die wichtigste Cloud-Anwendung einen vollständigen Datenexport ausprobieren.
  5. Mit der dringendsten Entscheidung beginnen. Was zuerst ausläuft oder den meisten Betriebsaufwand kostet, kommt zuerst.

Wenn Sie eine eigene Anwendung planen und klären wollen, wo sie laufen soll, sprechen Sie uns im Erstgespräch an.

Häufige Fragen

Heißt es On-Premise oder On-Premises?

Korrekt ist On-Premises. Das englische „premises“ steht für Gelände oder Räumlichkeiten, „premise“ in der Einzahl dagegen für eine Annahme. Im deutschen Sprachgebrauch sind beide Schreibweisen verbreitet, in der IT auch die Kurzform On-Prem. Gemeint ist immer dasselbe: Betrieb im eigenen Haus.

Was ist ein Cloud-ERP?

Ein Cloud-ERP ist eine Unternehmenssoftware für Aufträge, Einkauf, Lager und Buchhaltung, die ein Anbieter als Dienst über das Internet bereitstellt. Sie zahlen eine laufende Gebühr, Server und Updates übernimmt der Anbieter. Dafür hängt der Betrieb an Vertrag und Internetverbindung, und Anpassungen sind nur im Rahmen des Anbieters möglich.

Was ist ein Beispiel für PaaS?

Typische PaaS-Angebote sind Plattformen, auf die Sie eigenen Code laden, ohne sich um Server oder Betriebssystem zu kümmern. Microsoft nennt als Beispiele Azure App Service, Azure Functions und Azure SQL-Datenbank. Vergleichbare Dienste gibt es bei anderen großen Cloud-Anbietern. Für Sie bleiben Anwendung, Daten und Zugriffsrechte.

Ist On-Premises sicherer als die Cloud?

Nicht automatisch. On-Premises gibt Ihnen die volle Kontrolle, aber auch alle Pflichten: Updates, Überwachung, Sicherungen und Zutrittsschutz. Sicherer ist das Modell, dessen Pflichten Sie verlässlich erfüllen können. Fehlt eigenes Personal dafür, ist ein gut betriebener Cloud-Dienst oft das kleinere Risiko.

Kann man KI-Anwendungen on-premises betreiben?

Ja. Sprachmodelle mit offenen Gewichten lassen sich auf eigenen Servern betreiben. Dafür brauchen Sie leistungsfähige Grafikprozessoren und Personal, das Modell und Server pflegt. Ein Mittelweg sind Modelle bei einem Anbieter mit Rechenzentrum in der EU, während die eigenen Daten in Ihren Systemen bleiben.

Quellen

  1. Statistisches Bundesamt: Jedes zweite Unternehmen nutzt kostenpflichtige Cloud-Services, Pressemitteilung Nr. 416 vom 24.11.2025
  2. Statistisches Bundesamt: Nutzung von Cloud Computing nach Beschäftigtengrößenklassen (Tabelle)
  3. Bitkom: Deutsche Cloud, 4 von 10 Unternehmen würden Abstriche in Kauf nehmen (Cloud Report 2026, 17.06.2026)
  4. NIST Special Publication 800-145: The NIST Definition of Cloud Computing (2011)
  5. Microsoft Learn: Gemeinsame Verantwortung in der Cloud
  6. Microsoft Produktbedingungen: Exchange Server
  7. Microsoft Support: Allgemeine Verfügbarkeit von Exchange Server Subscription Edition (SE)
  8. Microsoft Lifecycle: Supportende im Jahr 2025
  9. Atlassian: Server End of Support FAQ
  10. Atlassian: Data Center End of Life
  11. SAP News: SAP Extends Its Innovation Commitment for SAP S/4HANA, Provides Clarity and Choice on SAP Business Suite 7 (04.02.2020)
  12. Datenschutz-Grundverordnung (EU) 2016/679, Art. 28 und Art. 32
  13. Verordnung (EU) 2023/2854 (Data Act), Art. 29
  14. 18 U.S.C. § 2713: Required preservation and disclosure of communications and records (CLOUD Act)
  15. Merriam-Webster: premises

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